Stilllegung

Hintergrund

Für alle stillgelegten Atomkraftwerke ist inzwischen mindestens eine Stilllegungsgenehmigung erteilt. Auch für die noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke haben die Betreiber bereits Stilllegungsanträge eingereicht. 30 Leistungsreaktoren befinden sich derzeit in Stilllegung bzw. in unterschiedlichen Rückbauphasen. Der Rückbau des AKW Würgassen wurde für beendet erklärt, allerdings befinden sich noch radioaktive Abfälle und die Gebäudestrukturen vor Ort. Das AKW Gundermmingen A wird als Konditionierungseinrichtung und Lager genutzt. Der THTR Hamm-Uentrop befindet sich im sogenannten "sicheren Einschluss". Vollständig zurückgebaut sind bisher der Heißdampfreaktor Großwelzheim, das Versuchsatomkraftwerk Kahl und das AKW Niederaichbach, das jedoch nur 18 Volllasttage in Betrieb war. Dazu kommen eine größere Anzahl von Forschungs- und Unterrichtsreaktoren und andere Atomanlagen in unterschiedlichen Phasen der Stilllegung.

Mit der Außerbetriebnhame eines Atomkraftwerks sind weder die Gefahren noch die Probleme vorbei. Gerade vor dem Hintergrund der Kosten für Stilllegung, Abriss und Verwahrung des Atommülls müssen Abschläge beim Strahlenschutz befürchtet werden. Die Reaktorsicherheitskommission (RSK) hat im Dezember 2005 Vorschläge für Anforderungen an die Stilllegung im technischen Regelwerk vorgelegt. Doch schon der Stilllegungsleitfaden des Bundesumweltministeriums von 2009 reduziert die Sicherheitsanforderungen der RSK. So wird weder eine zwingende Entfernung der Brennelemente aus der Anlage vor Beginn der Rückbaumaßnahmen noch eine umfassende radiologische Charakterisierung vorgeschrieben. Und die Praxis aus den Bundesländern zeigt eine zunehmende Aushöhlung der Öffentlichkeitsbeteiligung.

An fast allen Standorten wurden Zwischenlager für die radioaktiven Abfälle erbaut und in Betrieb genommen bzw. sind beantragt oder genehmigt. Nur die radioaktiven Abfälle aus dem Abriß des AKW Rheinsberg werden in das Zwischenlager Nord und die des AKW Mülheim-Kärlich in die Zwischenlager in Ahaus und Gorleben verbracht.

Kurz vor Ende der Atomenergienutzung in Deutschland wittern die Verfechter der Atomkraft Morgenluft angesichts möglicher Energieengpässe durch den Ukrainekrieg und die verhängten Sanktionen gegen Russland. Jahrelang wurde versucht, Atomkraft wieder hoffähig zu machen, in dem der Atomstrom als billig und klimafreundlich deklariert wurde. Nachdem in der aktuellen Debatte auch der Verweis auf die Versorgungssicherheit nicht so richtig zieht, da Atomkraft die Wärmeversorgung durch das Gas kaum ersetzen kann, ist das aktuelle Argument, die Solidarität mit Frankreich, dessen Stromproduktion aufgrund einer völlig verfehlten, einseitig auf Atomkraft setzenden Energiepolitik ziemlich danieder liegt. Eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist für die Energiesicherheit völlig unnötig, ist hochriskant und würde sehr teuer für die Gesellschaft werden.

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Anfang Juni 2022 standen 29 der 56 Atomreaktoren in Frankreich still. Viele der Reaktoren sind wegen erheblicher Sicherheitsprobleme bzw. Sicherheitsuntersuchungen abgeschaltet, andere wegen Revisionsarbeiten. Und dann kam im Juni noch die Hitze dazu, die ebenfalls zur Drosselung von Atomreaktoren wegen zu niedrigem Wasserstand führte. So bezieht Frankreich seit Jahresbeginn 2022 bis auf wenige Ausnahmen täglich Strom aus Deutschland in einer Größenordnung von bis zu über 100 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Dies entspricht der Leistung von drei konventionellen oder nuklearen Großkraftwerken. Oder anders gesagt: Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke laufen nur noch für den Stromexport nach Frankreich. Ein Problem, das die französische Atomstromproduktion auf Jahre hinweg beschäftigen und einschränken wird, sind die Risse, die in den Sicherheits-Einspeisesystemen und Nachkühlsystemen der Reaktoren gefunden wurden.

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Ende diesen Jahres gehen die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz. Insgesamt haben in Deutschland 36 Reaktoren an 22 Standorten kommerziell Strom ins Netz gespeist. Der erste Leistungsreaktor war das Versuchsatomkraftwerk (VAK) Kahl, das am 1. Februar 1962 seinen Betrieb im Bayerischen Karlstein aufnahm. Fünf Reaktoren hatten nur eine sehr kurze Laufzeit. Infoge der deutsch-deutschen Einigung wurden sechs Reaktoren vom Netz genommen, nach der Katastrophe von Fukushima 2011 weitere acht.

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An vielen Standorten in Deutschland laufen derzeit Genehmigungsverfahren für die Stilllegung und den Abriss der Atomkraftwerke. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Verfahrensstände und bietet Verlinkungen zu den einschlägigen Unterlagen.

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Nach der Abschaltung von mehreren Atomkraftwerken rücken die Stilllegungsverfahren zunehmend in den Mittelpunkt. Mit dem Positionspapier „Abschaltung, Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken” fordern jetzt 76 Umweltverbände, Initiativen und Anti- Atom-Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet höchste Sicherheitsanforderungen und umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung bei Stilllegungen sowie die mittelfristige Lagerung sämtlicher radioaktiver Altlasten vor Ort.

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